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Ehemaliger Maturant als Dozent in der 4.C

 

Vor fünf Jahren hat Thomas Kern hier bei uns am Gymnasium maturiert. Am 19. Mai kehrte er für vier Stunden als Trainer eines Workshops an seine ehemalige Schule zurück. Die Rede ist von einer Initiative einiger Jus-StudentInnen, die im Sommer 2013 die Idee entwickelten, ihr Rechtswissen an SchülerInnen weiterzugeben. Gegründet wurde der Verein „Legal Literacy Project“ , kurz LLP, der allein im Vorjahr in Wien über 100 Workshops von zwei oder vier Stunden abgehalten hat. Neben Graz und Linz sollen weitere Standorte hinzukommen. Für die Schulen ist das Angebot gratis. Spesen werden durch Sponsoring und Spenden abgedeckt. Die StudentInnen halten die WS ehrenamtlich, wobei Idealismus nur ein Teil ihrer Motivation sei, so Thomas. Ihnen gehe es ganz stark darum Praxis zu sammeln. Die WSs werden als Training für den späteren Job als RichterIn oder Rechtsanwalt/anwältin gesehen. Die SchülerInnen sollen lernen, dass Recht eigentlich jede/n Einzelne/n betrifft, dass es etwas ist, dass jede/n von uns schützt. „Man lernt Sachverhalte so zu erklären, dass sie jede und jeder versteht. Es gibt kein ehrlicheres Feedback als den gelangweilten oder gespannten Gesichtsausdruck einer oder eines 14Jährigen.“

 

 

Dass wir im entlegensten Weinviertel auch in diesen Genuss gekommen sind, liegt allerdings nur daran, dass Thomas ursprünglich aus Ameis stammt und unsere Schule bei ihm nach wie vor hoch im Kurs steht.

Aus elf Rechtsthemen kann gewählt werden. Am beliebtesten sind Cybermobbing, Urheberrecht im Internet, Jugendstrafrecht und Arbeitsrecht. Aber auch abstraktere Themen wie Grundrechte oder Europarecht können gebucht werden. Wir in der 4.C entschieden uns für Asyl- und Fremdenrecht und für die vierstündige Variante.

Die Sorge, dass 24 SchülerInnen für einen doch sehr jungen Vortragenden vielleicht eine Grenzerfahrung werden könnten, stellte sich als völlig unbegründet heraus. Die vier Stunden vergingen laut Thomas, aber auch laut vielen befragten SchülerInnen wie im Flug. Ausgerüstet mit Laptop, Plakaten und diversen Unterlagen stürzte er sich todesmutig in die Herausforderung und ging in einem Stück und zufrieden lächelnd aus ihr hervor.

Die SchülerInnen äußerten sich aber mindestens ebenso begeistert. Nach der Mitarbeit der Klasse befragt, kam die doch etwas überraschende Antwort von fast allen, dass sich sehr viele – auch solche, die sich häufig eher zurückhalten – beteiligt haben. Das eigene Engagement betreffend war von „begeistert mitgetan“, „Fragen gestellt“, „eher nicht mitgetan, lieber zugehört“ alles vorhanden. Unser Referent wurde mit Lob richtig zugeschüttet: motiviert, vom Thema begeistert, sympathisch, gut vorbereitet, coole Spiele, lustig, kennt sich bestens aus, flüssig und deutlich gesprochen, kann auch schwierige Sachverhalte verständlich erklären, bindet ganze Klasse in Thematik ein, „hatte keine Probleme mit uns und war echt cool“.

Die Aufmerksamkeit dürfte erst gegen Ende etwas abgenommen haben, was bei einer Dauer von vier Stunden und bei so vielen 14Jährigen nicht wirklich überraschen kann.

Damit steht für mich als Historikerin und Organisatorin dieses WSs einwandfrei fest: Die StudentInnen des LLP waren nicht das letzte Mal bei uns an der Schule. Und wenn sich dann Thomas wieder Zeit nimmt, wäre uns das sowieso am liebsten.